Tierkrankenversicherung: Warum die Beiträge so stark steigen

Tierkrankenversicherung: Warum die Beiträge laut GDV so stark steigen
Wenn du gerade eine Tierkrankenversicherung für deinen Hund oder deine Katze abschließen willst, hast du es vermutlich schon gemerkt: Die Tarife sind in den letzten Jahren spürbar teurer geworden. Das liegt nicht an einem einzelnen Anbieter, sondern an einer Marktentwicklung, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) Mitte 2026 mit Zahlen belegt hat: Die Bruttobeitragseinnahmen der Tierkrankenversicherer sind zwischen 2019 und 2024 von 173 Millionen Euro auf 720 Millionen Euro gestiegen – eine Vervierfachung in fünf Jahren. Was hinter diesem Wachstum steckt und was es für deinen eigenen Vertrag bedeutet, ordnen wir hier ein.
Die Zahlen im Überblick: Wie stark der Markt wirklich wächst
Zwei Entwicklungen laufen parallel: Es gibt deutlich mehr versicherte Tiere, und die einzelnen Verträge kosten im Schnitt mehr. 2019 zählte der GDV rund 845.000 krankenversicherte Hunde und Katzen in Deutschland, 2024 waren es bereits mehr als 2 Millionen – ein Anstieg um mehr als das Doppelte. Gleichzeitig sind die Bruttobeitragseinnahmen im selben Zeitraum von 173 Millionen auf 720 Millionen Euro gestiegen.
• 2019: rund 845.000 versicherte Hunde und Katzen, 173 Millionen Euro Bruttobeitragseinnahmen
• 2024: mehr als 2 Millionen versicherte Hunde und Katzen, 720 Millionen Euro Bruttobeitragseinnahmen
• 2023 und 2024: jeweils rund 40 Prozent Beitragswachstum gegenüber dem Vorjahr
• Rechnerischer Durchschnittsbeitrag: von rund 205 Euro pro Tier und Jahr (2019) auf rund 360 Euro (2024)
Die letzten beiden Punkte sind eigene Rechnungen, keine offiziellen GDV-Angaben: 720 Millionen Euro geteilt durch 173 Millionen Euro ergibt einen Faktor von rund 4,2 – das Beitragsvolumen hat sich mehr als vervierfacht, während sich die Zahl der Verträge nur etwas mehr als verdoppelt hat. Und 173 Millionen Euro geteilt durch 845.000 Tiere ergibt rund 205 Euro pro Tier und Jahr für 2019. 720 Millionen Euro geteilt durch 2 Millionen Tiere ergibt rund 360 Euro für 2024 – ein Plus von etwa 76 Prozent beim rechnerischen Durchschnittsbeitrag. Da es sich um einen Marktdurchschnitt über alle Tarife und Anbieter handelt, sagt die Zahl nichts über deinen konkreten Beitrag aus, zeigt aber die Richtung.
Besonders auffällig: Allein 2023 und 2024 wuchsen die Beitragseinnahmen laut GDV um jeweils rund 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zwei Jahre mit je 40 Prozent Zuwachs ergeben rechnerisch einen Faktor von 1,4 mal 1,4, also rund 1,96 – das Beitragsvolumen hat sich allein in diesen zwei Jahren fast verdoppelt.
Warum steigen die Beiträge so stark?
Für den Anstieg gibt es im Wesentlichen drei Treiber, die sich gegenseitig verstärken.
Die GOT-Novelle macht Tierarztbehandlungen teurer
Ende 2022 wurde die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) novelliert – die verbindliche Preisliste, nach der Tierarztpraxen ambulante und stationäre Leistungen abrechnen. Die neuen Sätze liegen spürbar über den alten, was sich unmittelbar auf die Schadenkosten der Versicherer und damit auf die Beiträge auswirkt. Wie sich die GOT konkret auf deinen Tarif auswirkt, erklären wir separat für Hunde, Katzen und Pferde.
Tiermedizin kann heute mehr – und das kostet mehr
Diagnostik und Therapie in der Tiermedizin haben sich deutlich weiterentwickelt: MRT, Chemotherapie oder aufwendige Operationen, die früher kaum angeboten wurden, gehören heute in vielen Praxen und Kliniken zum Standard. Das erweitert die Behandlungsmöglichkeiten für dein Tier, treibt aber auch die durchschnittlichen Schadenkosten der Versicherer nach oben.
Vollversicherungen lösen zunehmend den reinen OP-Schutz ab
Auch die Struktur der Verträge selbst hat sich verschoben: Der Anteil der Tierkranken-Vollversicherungen – also Tarife, die auch ambulante Behandlungen, Vorsorge und Medikamente einschließen – ist in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen, während reine OP-Kostenversicherungen an Bedeutung verlieren. Da Vollversicherungen in der Regel teurer sind als eine reine OP-Absicherung, zieht diese Verschiebung den Marktdurchschnitt zusätzlich nach oben. Was der Unterschied für dich konkret bedeutet, erklären wir im Vergleich OP-Schutz oder Vollversicherung für Hunde sowie im Ratgeber zum OP-Schutz für Katzen.
Was der Boom für Hunde, Katzen und Pferde konkret bedeutet
Die GDV-Zahlen beziehen sich in erster Linie auf Hunde und Katzen – das sind die beiden Tierarten, für die der Markt am stärksten gewachsen ist und für die es inzwischen die größte Tarifauswahl gibt. Für Pferde gilt eine andere Ausgangslage, die sich in denselben Zahlen nicht direkt spiegelt.
Hund und Katze treiben das Marktwachstum
Bei Hunden und Katzen ist der Markt am dichtesten: Hier stammt der Großteil der vom GDV gezählten über 2 Millionen Verträge. Beide Tierarten profitieren von der wachsenden Tarifvielfalt, spüren aber auch die Beitragsanpassungen am direktesten – etwa über die Selbstbeteiligung oder Wartezeit, die bei Vertragsabschluss vereinbart werden. Mehr dazu in den Ratgebern zur Selbstbeteiligung bei Hunden, Selbstbeteiligung bei Katzen sowie zur Wartezeit bei Hunden und Wartezeit bei Katzen.
Für Pferde gilt eine andere Ausgangslage
Die Pferdekrankenversicherung – insbesondere die OP-Versicherung – ist ein deutlich älteres, eigenständiges Marktsegment, das statistisch anders erfasst wird als die Hunde- und Katzenzahlen des GDV. Die genannten Wachstumsraten lassen sich deshalb nicht eins zu eins auf Pferde übertragen. Die Grundmechanik hinter steigenden Beiträgen – höhere GOT-Sätze, aufwendigere Behandlungen – wirkt bei Pferden aber genauso. Details dazu findest du in den Ratgebern zu den OP-Kosten bei Pferden, zur Selbstbeteiligung bei Pferden und zur Wartezeit bei Pferden.
Lohnt sich eine Tierkrankenversicherung trotz steigender Beiträge noch?
Ein wachsender Markt mit steigenden Beiträgen ist kein Grund, vorschnell zu- oder abzuschließen. Ob sich ein Vertrag für dich lohnt, hängt von denselben Kriterien ab wie schon vorher: dem Alter deines Tieres bei Vertragsbeginn, eventuellen Vorerkrankungen, der Rasse und ihrer Krankheitsanfälligkeit sowie davon, ob du selbst finanzielle Rücklagen für Tierarztkosten hättest bilden können. Steigende GOT-Sätze sprechen eher für eine Absicherung, weil auch unversicherte Tierhalter die höheren Behandlungskosten tragen müssen – mit oder ohne Vertrag.
Wichtiger als der Markttrend ist der Blick auf den einzelnen Tarif: Welche Selbstbeteiligung ist vereinbart, wie lang ist die Wartezeit, und ist eine Vollversicherung oder eine reine OP-Absicherung die passendere Wahl? Diese Fragen beantworten unsere tierartspezifischen Ratgeber im Detail.
Fazit
Die GDV-Zahlen zeigen einen Markt, der sich in fünf Jahren mehr als vervierfacht hat – bei den Beiträgen ebenso wie, etwas langsamer, bei der Zahl der Verträge. Getrieben wird das Wachstum vor allem durch die novellierte Gebührenordnung für Tierärzte, den medizinischen Fortschritt und die Verschiebung hin zu umfassenderen Vollversicherungen. Für dich als Tierhalter ändert das nichts an den Grundfragen: Ob sich eine Tierkrankenversicherung lohnt, entscheidet sich weiterhin am einzelnen Tarif – nicht am Markttrend.
Häufige Fragen zur Tierkrankenversicherung und ihrer Marktentwicklung
Wie viele Hunde und Katzen sind aktuell in Deutschland krankenversichert?
Laut GDV waren 2024 mehr als 2 Millionen Hunde und Katzen krankenversichert, 2019 waren es rund 845.000. Die Zahl der Verträge hat sich damit in fünf Jahren mehr als verdoppelt.
Werden die Beiträge für Tierkrankenversicherungen weiter steigen?
Eine sichere Prognose gibt es nicht. Da die Ursachen – höhere GOT-Sätze und aufwendigere Behandlungsmöglichkeiten – strukturell sind, ist eher mit weiter steigenden als mit sinkenden Beiträgen zu rechnen.
Was hat die GOT-Novelle mit steigenden Versicherungsbeiträgen zu tun?
Die Ende 2022 novellierte Gebührenordnung für Tierärzte erlaubt höhere Abrechnungssätze für ambulante und stationäre Behandlungen. Das erhöht die Schadenkosten der Versicherer, die sie über die Beiträge weitergeben.
Gelten die GDV-Zahlen zur Tierkrankenversicherung auch für Pferde?
Nur eingeschränkt. Die genannten Zahlen beziehen sich in erster Linie auf Hunde und Katzen, die Pferdekrankenversicherung ist ein separat erfasstes, älteres Marktsegment mit denselben Kostentreibern, aber eigener Dynamik.
Wie hoch ist der durchschnittliche Beitrag einer Tierkrankenversicherung?
Rechnerisch aus den GDV-Gesamtzahlen für 2024 ergeben sich rund 360 Euro pro Jahr und Tier (720 Millionen Euro Beitragseinnahmen geteilt durch mehr als 2 Millionen versicherte Tiere). Das ist ein Marktdurchschnitt über alle Tarife hinweg – der Beitrag für ein einzelnes Tier hängt von Tierart, Alter, Rasse und Tarif ab.
Häufige Fragen
Laut GDV waren 2024 mehr als 2 Millionen Hunde und Katzen krankenversichert, 2019 waren es rund 845.000. Die Zahl der Verträge hat sich damit in fünf Jahren mehr als verdoppelt.
Eine sichere Prognose gibt es nicht. Da die Ursachen – höhere GOT-Sätze und aufwendigere Behandlungsmöglichkeiten – strukturell sind, ist eher mit weiter steigenden als mit sinkenden Beiträgen zu rechnen.
Die Ende 2022 novellierte Gebührenordnung für Tierärzte erlaubt höhere Abrechnungssätze für ambulante und stationäre Behandlungen. Das erhöht die Schadenkosten der Versicherer, die sie über die Beiträge weitergeben.
Nur eingeschränkt. Die genannten Zahlen beziehen sich in erster Linie auf Hunde und Katzen, die Pferdekrankenversicherung ist ein separat erfasstes, älteres Marktsegment mit denselben Kostentreibern, aber eigener Dynamik.
Rechnerisch aus den GDV-Gesamtzahlen für 2024 ergeben sich rund 360 Euro pro Jahr und Tier (720 Millionen Euro Beitragseinnahmen geteilt durch mehr als 2 Millionen versicherte Tiere). Das ist ein Marktdurchschnitt über alle Tarife hinweg – der Beitrag für ein einzelnes Tier hängt von Tierart, Alter, Rasse und Tarif ab.
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